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Was sind Sozialaudits- und welche Rolle spielen sie in LkSG, CSDDD und CSRD?

  • Autorenbild: Federica Suess
    Federica Suess
  • 26. März
  • 4 Min. Lesezeit

Sozialaudits sind ein zentrales Instrument zur Überprüfung von Arbeitsbedingungen in globalen Lieferketten. Durch LkSG, CSDDD und CSRD gewinnen sie erheblich an regulatorischer Bedeutung. Aber was genau ist ein Sozialaudit – und wie hilft es dabei, mehrere regulatorische Anforderungen gleichzeitig zu erfüllen? Und genauso wichtig: Wie wird ein Audit zu mehr als einer Checkliste – nämlich zu einem echten Dialoginstrument, das Lieferketten fairer macht?



Was ist ein Sozialaudit?


Ein Sozialaudit ist eine strukturierte Überprüfung der Arbeitsbedingungen bei einem Lieferanten. Auf Basis definierter Prüfkriterien wird dokumentiert, ob soziale Mindeststandards eingehalten werden. Maßgeblicher Referenzrahmen sind die internationalen Arbeitsstandards der ILO. Typische Prüfgegenstände sind Arbeitszeiten und Vergütung, Gesundheits- und Arbeitsschutz, Verbote von Kinder- und Zwangsarbeit, Vereinigungsfreiheit sowie Diskriminierungsverbote.


Im Unterschied zu Finanz- oder Qualitätsaudits steht nicht die Zahlen- oder Prozessebene im Mittelpunkt, sondern die Arbeitswirklichkeit der beschäftigten Menschen. Vertrauliche Arbeitnehmerbefragungen ohne Managementpräsenz sind deshalb das methodische Herzstück jedes Sozialaudits: Erst sie machen sichtbar, was zwischen Lohnzettel und gelebter Praxis liegt.


Das Ergebnis ist kein Testat, sondern ein Management-Tool zur Risikoidentifikation – mit einem Beweiswert, der stark von Methodik und Durchführungsqualität abhängt.



Wie läuft ein Sozialaudit ab?


Ein Sozialaudit gliedert sich in drei Phasen:


Vorbereitung: Auditumfang und Standard werden festgelegt. Der Auditplan wird festgelegt. Teilweise werden erste Informationen zu Mitarbeiterstrukturen gesammelt und gesichtet. Je nach Audittyp erfolgt eine Ankündigung- oder das Audit wird unangekündigt durchgeführt.


Vor-Ort-Prüfung: Nach dem Einführungsgespräch folgt ein Betriebsrundgang mit Fokus auf Arbeitssicherheit. Dann kommen die Arbeitnehmergespräche – vertraulich, ohne Managementpräsenz, in der Landessprache. Sie ermöglichen es, Diskrepanzen zwischen dokumentierter und gelebter Praxis aufzudecken. Die anschließende Dokumentenprüfung vertieft die Befunde. Die Zusammenschau aller drei Elemente – Begehung, Gespräch, Dokument – wird als Triangulation bezeichnet. Sie hilft, sich ein ganzheitliches und realitätsnahes Bild zu machen.


Dokumentation und Nachverfolgung: Der Auditbericht hält alle Befunde fest – von geringfügigen Mängeln bis zu kritischen Befunden wie Nachweisen von Kinderarbeit oder unmittelbarer körperlicher Gefährdung. Anschließend wird ein Maßnahmenplan erstellt mit konkreten Aufgaben und Fristen. Die konsequente Nachverfolgung ist entscheidend – und wird in der Praxis häufig vernachlässigt.



Welche Arten von Sozialaudits gibt es?


Es gibt prinzipiell drei Typen von Audits.


Beim First-Party-Audit prüft das Unternehmen sich selbst – kostengünstig, aber mit geringer externer Nachweiskraft.


Beim Second-Party-Audit prüft ein Unternehmen seinen Lieferanten direkt, was sich für die laufende Lieferantenüberwachung eignet.


Beim Third-Party-Audit führt eine akkreditierte, unabhängige Stelle die Prüfung durch – diese Audits haben gegenüber dem BAFA und im CSRD-Prüfungskontext substanziellen Nachweischarakter.


Die Entscheidung, welche Audittypen genutzt werden sollen, hängt stark vom Ziel des Audits ab. Braucht ein Unternehmen ein anerkanntes Zertifikat für einen Kunden: Dann ist ein Third-Party-Audit die beste Wahl. Geht es darum einen Lieferanten auf ein Sozialaudit vorzubereiten? Dann ist wahrscheinlich ein Second-Party-Audit zielführender.



Wie helfen Sozialaudits bei der Erfüllung von LkSG, CSDDD und CSRD?


LkSG, CSDDD und CSRD stellen im Kern dieselben Fragen in Bezug auf Arbeitsstandards in der Lieferkette. Sozialaudits liefern dafür eine wertvolle Daten- und Informationsbasis.


LkSG: Sozialaudits erfüllen konkret zwei gesetzlich geforderte Präventionsmaßnahmen: risikobasierte Kontrollen im eigenen Geschäftsbereich sowie bei unmittelbaren Zulieferern. Außerdem liefern Sozialaudits wichtige Informationen zur Risikoanalyse, Grundsatzerklärung,sowie Beschwerdeverfahren. Sie sind also ein wertvolles Werkzeug, um einen Großteil der Punkte um Gesetz zu erfüllen. Wichtig: Die Abschaffung der externen Berichtspflicht 2025 entbindet nicht von der internen Dokumentationspflicht. Das BAFA kann weiterhin Aufsichtsverfahren einleiten und die zugrundeliegende Dokumentation anfordern.


CSDDD: Die Richtlinie gilt ab Juli 2029 für Unternehmen ab 5.000 Beschäftigten und 1,5 Mrd. Euro Umsatz. Sie stärkt den risikobasierten Ansatz: Unternehmen dürfen sich auf die Bereiche konzentrieren, wo Auswirkungen am wahrscheinlichsten und schwerwiegendsten sind. Sozialaudits leisten hier konkrete Beiträge zur Risikoermittlung durch Vor-Ort-Prüfung, zur Risikopriorisierung auf Basis strukturierter Befunddaten und zur Risikoprävention.


CSRD / ESRS S2: Die CSRD verpflichtet Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten und 450 Mio. Euro Umsatz zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, erstmals für das Geschäftsjahr 2027. Sozialaudits liefern Datenmaterial an mehreren konkreten Stellen: Welche negative Auswirkungen Geschäftspraktiken in der Lieferkette haben, wie Mitarbeitenden in der Lieferkette eingebunden wurden, welche Maßnahmen ergriffen wurden und ob deren Wirksamkeit nachverfolgt wird, sowie ob Menschenrechtsvorfälle gemeldet wurden.



Fazit: Sozialaudits als Ausgangspunkt – nicht als Endpunkt


Sozialaudits sind ein wertvolles Werkzeug, um die Anforderungen von LkSG, CSDDD und CSRD im Bereich Arbeitsstandards zu erfüllen. Mit klug gewählten Audittypen lassen sich Risikobewertungen, Maßnahmennachweise und Berichtsdaten für alle drei Regelwerke gleichzeitig erzeugen – das spart erheblichen Aufwand.


Aber: Ein Audit liefert zunächst nur Information. Ob daraus echte Verbesserung entsteht, hängt davon ab, was danach passiert – ob Befunde ernst genommen werden, ob Maßnahmen wirklich umgesetzt und nachverfolgt werden, und ob die Ergebnisse in Einkaufsentscheidungen einfließen.


Besonders wichtig ist dabei die Haltung, mit der ein Audit durchgeführt wird. Ein Sozialaudit sollte kein Kontrollinstrument sein. Sein eigentlicher Wert liegt darin, wertvolle Informationen über den Kontext und die Arbeitsbedingungen beim Lieferanten zu gewinnen – und einen Dialog über sensible Themen zu eröffnen, der ohne diesen strukturierten Anlass oft gar nicht entstehen würde. Lieferanten, die das Audit als partnerschaftlichen Prozess erleben, sind weit eher bereit, Missstände offen zu benennen und gemeinsam anzugehen.


Ein Sozialaudit ist deshalb am stärksten, wenn es als Beginn eines Prozesses verstanden wird – eingebettet in ein Gesamtsystem aus Risikobewertung, Maßnahmenplanung, Nachverfolgung und echtem Lieferantendialog. Wer diesen Schritt geht, schafft nicht nur regulatorische Sicherheit, sondern fairer Lieferketten.


Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Sibylle Philipsen, Geschäftsführerin und Wirtschaftsprüferin bei FINEXA GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.




 
 
 

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