Risikoanalyse für Menschenrechtsverletzungen und dann?
- Federica Suess

- 7. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Jan.
Vielleicht geht es dir ähnlich: Du hast die Risiken in deiner Lieferkette analysiert. Der Einkauf verschickt den Supplier Code of Conduct. Lieferanten füllen Fragebögen aus.
Aber reicht das aus? Wie geht es danach weiter? Wie kannst du das Thema Menschenrechte noch stärker verankern? Wie kannst du mehr bewirken?
Unten teile ich Erkenntnisse aus drei Projekten, die Einkaufsprozesse verbessert und sozialer Risiken in den Lieferketten reduziert haben.
1. Entwicklung von Einkaufsgrundsätzen
In einem Projekt haben wir gemeinsam mit der Nachhaltigkeitsperson, dem Einkaufsleiter und den strategischen Einkäufer*innen Einkaufsprinzipien entwickelt.
Der Einkaufsleiter hat in der Entwicklung der Prinzipien mehrere Vorteile erkannt:
Er war neu in der Rolle und konnte durch die Entwicklung der Prinzipien die Arbeitsweise der Einkäufer kennenlernen und neu festlegen: Das hilft ihm seine Einkaufsstrategie durchzusetzen.
Das Dokument dient als Kommunikationsmittel für die Geschäftsführung: Es zeigt, wie der Einkauf arbeitet und wie die Unternehmensziele und -werte im Einkauf gelebt und umgesetzt werden.
Es dient neuen Mitarbeitenden im Einkauf als Orientierung: So arbeiten wie hier, das ist uns wichtig, so ist der Umgang mit unseren Lieferanten.
Das Dokument und der Prozess der Erarbeitung der Prinzipien diente dem Einkauf als Leitfaden für ihre Arbeit.
Nach einem ca. 3-monatigen Prozess mit vielen Workshops und Abstimmunsrunden, standen die Einkaufsprinzipien fest. Sie waren eingeteilt in verschiedene Kategorien wie z.B. "Partnerschaften & Geschäftsbeziehungen", "Weiterentwicklung von Lieferanten" oder "Problemlösung, Eskalation & Sanktionen". Für jede Kategorie wurde beschrieben, wie der allgemeine Ablauf aussehen soll und welche Werte wichtig sind.
Die Einkäufer*innen, der Einkaufsleiter und die Nachhaltigkeitsabteilungen waren zufrieden, denn:
Die Wünsche und Interessen jedes Einzelnen wurden berücksichtigt
Nachhaltigkeitskriterien wurden sinnvoll in die Einkaufsprozesse integriert
Das Resultat ist ein Dokument, das zur Orientierung, zur Erreichung der Einkaufsziele und zur Kommunikation dient.
Hast du auch schon an der Erarbeitung von Einkaufsprinzipien gearbeitet?
2. Sozialen Dialog zwischen Einkäufern und Lieferanten fördern
Nachhaltigkeit braucht Analysen, Ziele und Berichte- aber echter Wandel entsteht vor allem im Dialog.
In einem größeren Projekt durften wir Einkäufer*innen und Qualitätsmanager*innen eines Industrieunternehmens befähigen, Arbeitsstandards zu prüfen.
Ziel war es, dass bei Lieferantenbesuchen auch Arbeitsstandards geprüft werden. Dies sollte kein vollumfängliches Sozialaudit sein, sondern eine kurze Überprüfung. Konkret sieht das so aus, dass den Lieferanten bei Produktionsbesuchen einfache Fragen gestellt werden, wie z.B.:
Was schätzen Beschäftigte an ihrer Arbeit hier?
Gibt es Gruppen von Mitarbeitenden, die du besonders gerne einstellst?
Wie funktioniert der Arbeitsschutz bei euch?
Diese kurzen, informellen Gespräche bewirken viel. Sie schaffen Verständnis, stärken Beziehungen und geben echte Einblicke in die Arbeitsbedingungen.
In unserem Projekt haben wir maßgeschneiderte Checklisten entwickelt und die Teams geschult, diese kurzen Überprüfungen durchzuführen. In der Schulung haben wir zuerst die Grundbausteine zu internationalen Arbeitsbedingungen und Anforderungen des Supplier Code of Conducts gelegt. In einerm zweiten Schritt haben wir die Fragen vermittelt, die Einkäufer*innen oder Qualitätsmanager*innen bei Besuchen stellen können.
Wenn du auch daran denkst, deine Teams in diesem Bereich weiterzubilden oder fit zu machen, schreib mir gerne eine E-Mail unter: federicasuess@etika.io.
3. Negative Einkaufspraktiken abschaffen
Der Einkauf hat einen großen Einfluss auf die Arbeitsstandards beim Lieferanten. Wenn z.B. Einkaufspreise dauerhaft zu niedrig sind, können Lieferanten ggf. ihre Arbeiter*innen nicht fair bezahlen. Wenn sich die Mengen ständig ändern, müssen Arbeiter*innen ggf. Überstunden arbeiten. Es gibt also einen direkte Verbindung zwischen Einkaufspraktiken und Arbeitsstandards.
In einem Projekt durfte ich gemeinsam mit der Nachhaltigkeitsbeauftragten und dem Einkaufsteam die Einkaufspraktiken beleuchten.
Einkäufer*innen und Einkaufsleitung haben dem Projekt zugestimmt, weil:
Prozesse, wie der Reklamationsprozess nicht gut liefen und sie eine Chance sahen, diesen im Rahmen des Projekts anzupassen
Die Zahlungsfristen wurden regelmäßig nicht eingehalten, das hat Einkäufer selbst genervt, es gab aber keine Zeit, diese Baustelle anzugehen
Schwierigkeiten bei der Datenbeschaffung und Dopplungen waren frustrierend für die Einkäufer*innen
Sie sahen also im Projekt eine Chance, die Prozesse im Allgemeinen zu verbessern. Das hat wiederum einen positiven Hebel auf die Arbeitsstandards beim Lieferanten. Eine echte Win-Win-Situation.
Wir haben also angefangen, alle Einkaufspraktiken, die schon gut liefen sowie alle, die schlecht liefen, aufzuschreiben. Danach haben wir sie priorisiert und einen Maßnahmenplan entwickelt.
Das Ergebnis des Projekts war:
Eine Übersicht aller Praktiken, die Verbesserungen benötigen
Ein Plan mit Zielen, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten
Einkäufer*innen, Nachhaltigkeitsmanager*innen sowie Einkaufsleitung waren zufrieden, weil:
Endlich die Probleme bei den Einkaufsprozessen angegangen werden
Praktiken, die negative Auswirkungen auf Arbeitsbedingungen in der Lieferkette haben, abgeschafft werden
Die Interessen und Wünsche berücksichtigt wurden
Hast du schon mal die Einkaufspraktiken beleuchtet?
Diese Kriterien haben zum Erfolg der Projekte geführt:
Einkäufer*innen einbinden, damit Arbeitsstandards nicht alleine bei der Nachhaltigkeitsperson sitzen bleibt.
Nach Win-Win-Situationen suchen und diese in der Kommunikation nutzen: Wie können wir Projekte so aufsetzen, dass alle Abteilungen etwas davon haben?
Mitarbeitende vor allem im Einkauf einbinden, denn sie spielen bei Lieferkettenthemen eine Schlüsselrolle. Projekte, bei denen sie aktive Treiber sind, sind meistens erfolgreich.
Haben dir die Einblicke in die Projekte geholfen? Denkst du darüber nach, ein Projekt für die Lieferkette umzusetzen?
Schreib mir gerne, damit wir uns austauschen können.




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